Fachbücher

Besprechungen von Büchern rund um die Themen Wellness und Gesundheit.
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Gerald Hüther: Wie aus Stress Gefühle werden. Betrachtungen eines Hirnforschers. Vandenhoeck & Ruprecht, 4. Aufl. 2012.

Seine Erklärungen sind leicht zu verstehen und einleuchtend. Wer Erfolg hat kommt mit einer bestimmten Strategie gut voran. Aber was tun, wenn sich das Umfeld ändern und die anderen Menschen einem Knüppel zwischen die Beine werfen? Dann greifen die bisherigen Strategien nicht mehr und es entsteht Stress. Nur die Lebewesen konnten sich in einer veränderten Umwelt überleben, die mit Stress umgehen konnten. Die anderen wurden krank. Dies hieß für Tiere; sie überlebten und vermehrten sich oder starben aus.

Hüther beschreibt dies anhand von sehr praktischen Beispielen; wie Denkwege zu Straßen und Autobahnen werden. Pfade wachsen zu, die man selten begeht. So wird man einseitiger - wenn sich neue Anforderungen ergeben, weiß man nicht weiter. In solchen Notsituationen ist aber das Gehirn in der Lage, sich umzubilden. Alte Verbindungen lösen sich auf; neue bilden sich.

Der Bildband macht Lust auf mehr. Er liest sich leicht und die Fotos illustrieren die Gedanken. Sie spielen mit Farbe und Form, sind teils melancholisch; oft Natur- und Landschaftsaufnahmen. Die farbigen Ränder sollen zum Nachdenken anregen. Einzig das Bild auf Seite 26 der abgestorbenen Bäume hätte sich monochrom konvertiert viel besser gemacht.

So ist dem Autor und dem Fotografen ein Band zum Nachdenken oder Verschenken gelungen. Wer mehr über Hüthers Thesen lesen will, kann sich in weiteren Werken einlesen.

Fehlzeitenreport 2013: Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft? Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft.

Die Arbeitswelt wandelt sich und damit ihre Anforderungen. So können die vermehrten Belastungen der Arbeitnehmer Suchtkrankheiten begünstigen. Der Fehlzeitenreport 2013 - Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft? widmet sich eingehend der Suchtproblematik in der Arbeitswelt und der Suchtprävention. Die Grundlagen erfährt der Leser in der Einführung. Hier wird auch das Gehirndoping am Arbeitsplatz angesprochen. Der Fehlzeitenreport beleuchtet in 31 Kapiteln die unterschiedlichen Suchtformen im Arbeitskontext; von der Arbeitssucht über den erhöhten Tabakkonsum und Alkoholmissbrauch bis zum Missbrauch von illegalen Drogen. Er spricht die Arbeitssucht an und Möglichkeiten, was ein Unternehmen dagegen tun kann. In vielen Kapiteln findet der Leser Vorschläge und Wege. So weisen die Autoren immer wieder darauf hin, wie wichtig ein betriebliches Gesundheitswesen ist und was es zur Lösung beitragen kann. Ein Beitrag vom bekannten Hirnforscher Gerald Hüther zeigt auf, dass Sucht eine Ersatzbefriedigungsstrategie für ungestillte Bedürfnisse ist.

Der Abschnitt „Sucht in verschiedenen Kontexten“ beschreibt exemplarisch an verschiedenen Berufsgruppen, wie sich Sucht entwickelt und wie sie sich bekämpfen lässt. Hierzu gehört eine praktikable Suchtprävention, die sich im Unternehmen umsetzen lässt. Fallbeispiele aus Unternehmen zeigen, wie sie ihre Suchtprävention durchführen.

Aktuelle Zahlen und Daten zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten der AOK-Mitglieder in rund 1,2 Millionen Betrieben ergänzen den reichhaltigen Band. Der Fehlzeitenreport 2013 sollte zur Lektüre von Personalverantwortlichen und Beauftragten der betrieblichen Gesundheitsförderung gehören.

Betriebliches Gesundheitsmanagement. Konzepte, Kennzahlen und Qualitätssicherung zur Verringerung psychosozialer Belastungen bei der Arbeit. Ralf Neuner, Jacobs Verlag.

Berufstätige Erwachsene verbringen im Schnitt ein Drittel der Tageszeit an ihrem Arbeitsplatz. Die Anforderungen und die Flexibilisierung der Arbeitswelt sowie die demografischen Entwicklungen erfordern eine Gesundheitsförderung im betrieblichen Rahmen. Das Buch geht auf die bewusste Steuerung und Integration von Prozessen ein; Ziel ist der Erhalt die Förderung der Gesundheit der Arbeitskräfte. Es bietet Lösungsvorschläge für wichtige Aspekte des qualitätsgestützten betrieblichen Gesundheitsmanagements an. So findet der Leser Material zur psychosozialen Belastung bei der Arbeit wie die Erklärung im Drei-Phasen-Modell sowie biopsychologische und biopsychosoziale Ansätze und das individuelle Bewältigungsverhalten. So ist bei dem Konzept der Selbstwirksamkeit entscheidend, dass der Mitarbeiter erfährt, wie seine eigenen Bemühungen zum Erfolg führen und wie hierbei das Lernen am Modell funktionieren kann. Rückmeldungen von anderen sind natürlich sehr wichtig. Damit hat die Erwartung, Situationen meistern zu können und lernfähig zu sein, einen hohen Einfluss auf die Gesundheit.

Im zweiten Kapitel werden Fragebogen zum Screening vorgestellt sowie zur psychosozialen Belastung bei der Arbeit.

Im Kapitel Qualitätssicherung bei Verminderung psychosozialer Arbeitsbelastungen erhält der Leser eine Übersicht über Evaluationsverfahren. Hier kann man auch Einblicke in die Verfahrensevaluation gewinnen. Dies ist auf jeden Fall interessant, wenn man sich mit den unterschiedlichen Analyseverfahren beschäftigen möchte.

Betriebliches Gesundheitsmanagement mit Rahmenkonzept, stufenweiser Einführung, Erhebung von Kennzahlen, Maßnahmen und Evaluation bieten einen guten Einblick in den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagement. Wichtig sind hier zum einen neben Vision und Leitbild, die Analyse und Evaluation – Akteure sind Mitarbeiter und Führungskräfte.

Diese Anregungen können einem Unternehmen aufzeigen, wie ein Aufbau - am besten mit kompetenter Unterstützung - funktionieren kann.

Fehlzeiten-Report 2012. Gesundheit in der flexiblen Arbeitswelt: Chancen nutzen – Risiken minimieren. Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft.

Immer erreichbar, Arbeit und Freizeit fließen zusammen, mobil und flexibel einsetzbar: das ist Realität für viele Beschäftigte. Dieser muss sich flexibel auf das einstellen, was die Unternehmen von ihm wollen. Der Fehlzeitenreport zeigt, welche Folgen das für den Einzelnen haben kann. Die Arbeitsverhältnisse gestalten sich immer individueller, freie Mitarbeit wird häufiger, ein Wechsel üblich. Dies bringt gesundheitliche Belastungen für die Beschäftigten mit sich.  Der Fehlzeitenreport zeigt eindringlich, wie sehr die individualisierte Arbeitswelt die Gesundheit der Menschen belastet.

In den letzten Jahren hat sich die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit aufgehoben. Die Folgen blieben nicht aus; viele Menschen klagen darüber, dass sie nicht abschalten können. Die Freizeit besitzt dann nur noch einen geringen Erholungswert. Hierzu wurden Studien von den Autoren durchgeführt. Sie weisen aus, dass Arbeiten ohne abzuschalten innerhalb von 4-6 Monaten zur Erschöpfung bis in die Nähe eines Burnouts führt.

Arbeitsunterbrechungen belasten wie Telefonate, Emails und andere Störungen. Qualitativ hochwertige Arbeiten lassen sich nur ungestört erledigen. Die Unterbrechungen führen zu körperlichen und seelischen Beschwerden.

Mobilität ist nach dem Fehlzeitenreport ebenso krankmachend. Je weiter die Beschäftigten pendeln müssen, umso höher ist ihre Belastung. Die betriebliche Gesundheitsförderung muss auch diese Belastungen im Blick behalten.

Viele Menschen arbeiten in flexiblen und individuellen Arbeitsverhältnissen. Sie sind durch die Unsicherheit der Verträge und teils prekären Beschäftigungen besonders gesundheitlich belastet. Jedoch erfasst eine betriebliche Gesundheitsförderung nur die fest angestellten Mitarbeiter. Hier liegt ein Nachholbedarf vor, denn wenn die freien Mitarbeiter aus der betrieblichen Gesundheitsförderung heraus fallen, kann das Unternehmen nichts für ihre Gesundheitssteigerung tun. Damit vertut es eine Chance, weil Fehlzeiten dieser Mitarbeiter sich ebenso negativ auf die Produktivität auswirken wie bei den fest angestellten.

Die Studie weist auf Lösungen hin; so empfiehlt man, der zeitlichen und räumlichen Flexibilität Grenzen zu setzen. Ein gesunder Mitarbeiter beachtet seine Gesundheit, seinen Familien- und Freundeskreis und seine Sinne. So kann man Arbeitslasten nicht hinnehmen, die die Freizeit und Nachtruhe stören und damit die Erholung unmöglich machen. Wichtig ist die Sorge um sich selbst, wenn man einer Überforderung entgehen möchte.

Resilienz. Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen. Dennis Mourlane. Business Verlag 2013.

Sie segeln allein auf einem Segelschiff im Ozean. Es stürmt, die Wellen sind meterhoch. Das Schiff droht zu kentern. Sie denken sich, dass alles schon vorbei gehen wird. Aber die körperliche und mentale Kraft schwindet immer mehr. Neben Hoffnungslosigkeit steigt Angst auf – alles scheint verloren. Plötzlich sehen Sie das schwache Licht eines Leuchtturms. Sie werden plötzlich optimistisch und spüren Motivation, weiter zu machen. Sie wissen: In einer Stunde werden Sie Ihr Ziel erreicht haben.

Resilienz bedeutet, genau diese Strategien einzusetzen, die es einem ermöglichen, unbeschadet aus schwierigen oder kritischen Situationen zu kommen.

Das Buch „Resilienz“ von Mourlane beschreibt sieben Resilienzfaktoren. Hierzu gehören die Steuerung von Emotionen und Impulsen wie die Analyse der Situation mit dem dazugehörigen realistischen Optimismus. Wer dann noch von seiner eigenen Wirksamkeit überzeugt ist, seine Ziele verfolgt und empathisch ist besitzt Resilienz.

Der Autor legt dar, dass jeder diese Resilienzfaktoren mehr oder weniger ausgeprägt besitzt. Wie ist Resilienz aber möglich? Aufschlussreich ist das Kapitel der 5 needs. Dies sind die 5 Grundbedürfnisse, die erfüllt sein sollten, um zufrieden zu sein. Auch sie sind individuell ausgeprägt. So kann bei dem einen das Bindungsbedürfnis größer sein, während der andere ein stärkeres Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung besitzt.

Der Autor betont, dass resiliente Menschen ihre Grundstimmung meist so beeinflussen können, dass sie sich wohl fühlen. Dies ist die Voraussetzung, aktiv an der Veränderung der eigenen Situation zu arbeiten. Resiliente Menschen haben gute Beziehungen zu anderen Menschen, sie haben oft Erfolg und sie setzen sich immer Ziele!

Im zweiten Teil des Buches zeigt der Autor auf, wie der Leser seine eigene Resilienz erhöhen kann. Denn sie lässt sich verbessern, aber nicht in einem zeitlich abgegrenzten Programm trainieren. Ideal ist die Arbeit an der eigenen Haltung.

Als Einstieg in das Thema Resilienz ist das Buch ideal; es ist zudem leicht verständlich und flüssig geschrieben.

Die erschöpfte Arbeitswelt. Durch eine Kultur der Achtsamkeit zu mehr Energie, Kreativität, Wohlbefinden und Erfolg! Badura, Steinke, Ebook, Hrsg. Bertelsmann Stiftung. 2011.

Die physischen und psychischen Energien eines Menschen sind nur begrenzt. Dieses Wissen setzt sich langsam in den Unternehmen durch. Wenn die beschwerdefreie Zeit der Menschen in Deutschland, in der der Einzelne ohne Krankheitssymptome lebt weit unter der der übrigen hochentwickelten europäischen Länder liegt, ist dies bedenklich und man muss dafür die Ursachen finden. Denn nur, wenn die Mitarbeiter gesund sind und sich psychisch wohl fühlen, sind sie kreativ und das Unternehmen hat Erfolg.

Das vorgestellte Denkmodell einer Kultur der Achtsamkeit ermöglicht dem Leser einen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Gesundheit der Mitarbeiter und Erfolg einer Organisation. Den Autoren ist es wichtig, dass die zurzeit vorherrschende Sorg- und Achtlosigkeit gegenüber der Gesundheit der Mitarbeiter ersetzt wird durch Achtsamkeit. Der Kulturwandel muss jedoch von der Unternehmensführung ausgehen.

Der Leser erfährt in einem Kurzbeispiel, wie sich ein solcher Kulturwandel zu mehr Achtsamkeit herbeiführen lässt und welche Auswirkungen dies auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens hat. In einem weiteren Kapitel wird das Konzept der Achtsamkeit wissenschaftlich fundiert dargestellt. Hierbei stellen die Autoren die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Organisation und psychischer Gesundheit dar.

Im vierten Kapitel legen sie dar, aus welchen Gründen Menschen krank zur Arbeit gehen und welche Folgen dies für die Gesundheit der betreffenden Mitarbeiter und der Produktivität des Betriebes hat. Ein beträchtlicher Anteil krankgeschriebener Mitarbeiter ist aus gesundheitlichen Gründen zu Hause und nicht jeder anwesende Mitarbeiter ist gesund. Erwiesen ist, dass jeder zweite gegen den Rat des Arztes krank zur Arbeit geht. Führungskräfte haben hier eine besondere Funktion als Vorbild. Präsentismus hat nachgewiesen die Folge, dass diese Mitarbeiter ein doppelt so hohes Risiko haben, einen schweren bis tödlichen Herzinfarkt zu erleiden. Der größte Produktivitätsverlust wird durch Präsentismus verursacht, hier liegt der größere Produktivitätsverlust als durch Fehlzeiten. Psychische Ursachen wie Stress, Schlaflosigkeit und Depressionen liegen hierbei über den der körperlichen Krankheiten.

Ein weiteres Kapitel beleuchtet die Ursachen von psychischen Problemen; wenn die Arbeit mit der Freizeit nicht verträglich ist. So plädieren die Autoren für eine „Life-Balance“, bei der der Einzelne einen Ausgleich zwischen Beruf und Familie oder Freunden schafft.

Nach den Rahmenbedingungen für eine Kultur der Achtsamkeit in Unternehmen folgt ein Fallbeispiel.

Die Autoren stellen als Fazit folgende Thesen auf:

1. Gesundheit muss in Unternehmen zu einem zentralen Zielwert werden. Führungskräfte sollten sich regelmäßig über den Gesundheitszustand informieren, nicht nur über Fehlzeiten.

2. Seelische Gesundheit sollte aktiv gefördert werden und aus der Tabuzone heraus treten.

3. Verdeckte Produktivitätseinbußen durch Präsentismus verdienen mehr Beachtung.

4. Gesundheit darf nicht mehr Privatsache bleiben, sondern sollte im Interesse der Unternehmen mit einem professionellen Gesundheitsmanagement mit gesteuert werden, so dass die Mitarbeiter Hilfestellungen zur Gesunderhaltung bekommen.

5. Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften zur Kooperation, um Innovationen im Bereich Gesundheitsvorsorge zu erreichen.

Die Studie ist gut und schnell lesbar und unverzichtbar für jeden Personalverantwortlichen und Gesundheitsbeauftragten.

Die Gruppenbändiger DVD: Managerseminare 2012.

Sie sind als Führungskraft oder Trainer unterwegs, Sie müssen Gruppen leiten und erfahren regelmäßig die ganz gewöhnlichen schwierigen Situationen. Die DVD Die Gruppenbändiger" von Managerseminare zeigt eindrucksvoll, wie man als Gruppenleiter reagieren kann. Sei es als Führungskraft bei Kollegen, die in Sitzungen schweigen oder offen ihre Antipathie zeigen. In Trainings, bei denen der Trainer kritisch ob seiner Kompetenz beäugt wird oder bei allzu lebhaften Elternversammlungen: Mit einfachen, schnell zu lernenden Regeln lassen sich all diese Stolpersteine im Lern- und Leitungsprozess gut in den Griff bekommen. Die Fachtrainer, die Führungskraft und die Lehrerin diskutieren miteinander, welche Lösungen hier besser und zielführender sind. Wichtig sind natürlich immer die Wertschätzung und der Humor, die manche Situationen entschärfen. In dem Film werden folgende Situationen dargestellt: Störungen mit Handy und Laptop, was ja jeder Gruppenleiter gut kennt, die Schlichtung von Aggressionen in der Gruppe, das große Schweigen, und wie man unfreiwillig Anwesenden begegnet, verbale Attacken gegen die Gruppenleitung, Stimmungsmacher und Zweifler. Die Tipps können auch Trainern und Lehrenden, die schon länger im Geschäft sind helfen, alle Situationen souverän zu meistern, selbst auf die Souveränität der Stimme wird eingegangen. Empfehlenswert ist hier auch wie im Film angedeutet, eine Liste von Reaktionsmöglichkeiten zu erstellen oder auf die 20 Merkkarten zur Vertiefung der Lerninhalte zuzugreifen. Sie werden mitgeliefert. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann gilt das Motto: Scheitern macht sexy! Dies vor Augen lässt die Lockerheit zu, die ein erfolgreiches Training oder Meeting ausmacht.

Burnout-Kompetenz: Chance für optimale Lebensbalance. 55 Minuten Live-Vortrag auf den Petersberger Trainertagen 2011, DVD. Manager Seminare 2011.

Der Titel ist schon provozierend und soll es auch sein: Burnout als Kompetenz? Bislang ist die häufige Betrachtungsweise von Burnout-Klienten eher defizitär geprägt. Wer einen Burnout erleidet, ist schwach und demjenigen werden keine besonderen Komptenzen mehr zugetraut. Der Burnout-Klient ist umzingelt von Menschen mit dieser Denkweise, die eine erfolgreiche und rasche Rückkehr zur Normalität verzögern. Wem dient es also? Der Pionier in der Entwicklung systemischer Modelle, Gunther Schmidt, erläutert in seinem fundierten und trotz der ernsten Thematik humorvollen Vortrag, wie man einen Burnout auch betrachten kann: als Kompetenz, die bereits die nötigen Selbstheilungskräfte enthält. Ein Burnout ist also ein sehr intensives Feedback des Körpers, das vor größeren Schäden bewahrt.

Er zeigt Wege aus dem Burnout auf, die man als Betroffener selbst gehen kann und die ein Berater mit seinem Klienten gehen sollte. Die Sehnsucht, die zu dem Burnout führte, soll also gewürdigt werden und in der Verbündung mit ihr lässt sich ein - wie er es nennt – Ambivalenzmanagement steuern. Eine ganz und gar systemische Sichtweise auf den Burnout jenseits der häufig praktizierten Ratschläge. Und wichtig ist die Würdigung, nicht die Brandmarkung als Schwäche, sondern die Sicht auf die Ressourcen. Nur so kann es mit Hilfe der vorgestellten hypnosystemischen Interventionen eine Lösung erarbeitet werden.

Bernhard Kuntz: Die Katze im Sack verkaufen. Wie Sie Bildung und Beratung mit System vermarkten. Verlag Manager Seminare 2010.

Wie komme ich an meine Kunden? Wie kann ich meinen Umsatz nachhaltig erhöhen und sichern? Welchen Berater beschäftigen diese Fragen nicht immer wieder aufs Neue?

Bernhard Kuntz hat ein gut zu lesendes Buch über Beratermarketing geschrieben und er weiß, wovon er spricht. Er berät Beratungsunternehmen, also auch Berater, die nicht wissen, woran es liegt, dass trotz bester fachlicher Kompetenz die Kunden ausbleiben.

Grundvoraussetzung für diesen Erfolg ist die Positionierung bzw. auch Spezialisierung. Als Experte für einen bestimmten Bereich oder eine Branche hat man es wesentlich leichter den Marktzugang in dem überlaufenen Geschäft zu finden als wenn man es als sog. Wald- und Wiesentrainer versucht. Denn hier konkurriert man ja mit vielen relativ konturlosen Trainern. In diesem fundierten Buch erfährt der Berater und Trainer, dass die hohen Tagessätze im Grunde aus den hohen Akquisekosten resultieren, denn hier ist nicht allein die Idee entscheidend, sondern eben die Hürde Markteintritt zu nehmen. Und wie soll dies anders gehen als mit dem persönlichen Kontakt? Wohltuend ist, dass der Autor die Illusion entlarvt, man bräuchte nur seine Webseite ins Netz stellen, ein paar Anzeigen oder Presseartikel schreiben und schon rufen die Kunden pausenlos an. Auch wenn manch in Berater behauptet, er brauche niemals zu akquirieren, weil er empfohlen wird, weist dies eher auf eine fehlende Marketingstrategie als auf einen künftigen nachhaltigen Erfolg hin. Und keine Marketingstrategie zu haben, die man dann konsequent verfolgt, erhöht das Risiko, es am Markt nicht zu schaffen bzw. die Umsätze dauerhaft so zu halten. Der Leser erhält zahlreiche Tipps, sein Marketing zu verbessern sowie Mut, dass es zu schaffen ist, wenn er eben hartnäckig bleibt. Natürlich sollte die eigene Fachrichtung nicht ständig gewechselt werden. Was ist also erforderlich? Eine klare Positionierung, handfeste Produkte und Sicherheiten für den Kunden, eine gute Marketingstrategie, Ausdauer beim Akquirieren, Kontinuität und gute Kommunikationsfähigkeiten.

Ein sehr empfehlenswertes Buch! Absolut ein Muss für Berater, die in den Markt einsteigen, mehr Umsatz und Entwicklung wünschen.

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Klaus Theuretzbacher, Peter Nemetschek: Coaching und Systemische Supervision mit Herz, Hand und Verstand. Klett-Cotta, 2009.

 Ein Praxisbuch für Coaches und Coachinginteressierte ist dieses reich bebilderte Werk von den beiden erfahrenen Coaches. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele, wie sie im Coaching und in der Supervision besprochen werden, erhält der Leser sowohl einen Einblick in die Methoden des Coachings und in die sehr symbolhafte Durchführung. Ein Coaching, das sich von den gesprächszentrierten abhebt und Spaß macht! Einen breiten Raum nimmt die Supervision ein: Teamsupervision mit Führungskräftekonflikten, aber auch Teamkonflikten, die gekonnt gelöst werden. Das Wertvolle an diesem Buch ist die Darstellung in Bildern, so dass sich die Methoden leicht anwenden lassen und für bereits ausgebildete Coaches eine Auffrischung der Kenntnisse darstellt. Ebenso wird in den Bildern die Atmosphäre deutlich, in der gearbeitet wird, ein wichtiger Hinweis für die eigene Praxis.

Das Werk gliedert sich in drei Teilen: Im ersten Teil wird die zentrale Bedeutung von metaphorischem und darstellendem Arbeiten verdeutlicht und wie sich ein Wechsel der Stimmung beim Coachee erreichen lässt. Im zweiten Teil werden die Methoden beschrieben, wobei die Arbeit mit der Time line eine hohe Bedeutung erhält. Im dritten Teil erhält der Leser einen Einblick in die Arbeit in der Supervision im psychosozialen Bereich. Es ist in allen Teilen handlungsorientiert aufgebaut und zeigt deutlich, welche Effekte man mit dieser Art der Arbeit erzielen kann. Sehr zu empfehlen für praktizierende Coaches und Berater.

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Johann Caspar Rüegg: Mind & Body. Wie unser Gehirn die Gesundheit beeinflusst. Schattauer Verlag 2010.

Die Erhaltung unserer Gesundheit ist oft eine mentale Sache: Wenn es der Seele schlecht geht, geht es dem Körper ebenfalls nicht gut und Krankheiten können sich leichter entwickeln. Die Wechselwirkungen zwischen mind-dem Geist und body-dem Körper sind es, die besonders für die psychosomatische Medizin interessant sind. In 10 Kapiteln, die wie Aufsätze erscheinen, aber in einem engen Zusammenhang stehen erläutert der Autor die Zusammenhänge in der Psychosomatik, das heißt, warum wir krank werden, wenn wir Probleme haben. Zunächst gestattet er uns einen Blick ins Gehirn und erläutert, wie der Geist das Gehirn prägt. Kurz gesagt: unsere Gedanken bilden Verbindungen im Gehirn, die sich bei Wiederholung verfestigen und die gleiche Spur bei Wiederholung laufen. In etwas wissenschaftlicher Sprache, aber sehr fundiert, wird der Leser darin eingeführt, wie Emotionen uns auch körperlich bewegen, nicht nur die Gesichtsmuskeln, sondern auch den ganzen Körper. Wie frühkindliche Erfahrungen die Gesundheit beeinflussen und man Schmerz mental beeinflussen kann, wird in den folgenden Texten besprochen und gibt einige Gedankenanstöße zu eigenem Verhalten. So haben im 2. Weltkrieg Soldaten mit starken Schmerzen Lösungen verabreicht bekommen, die eigentlich wirkungslos waren, aber dennoch ihren schmerzstillenden Effekt entfalteten, den uns bekannten Placebo-Effekt.

Allgemein bekannt ist, wie sehr sich Gefühle auf Organe und hier besonders auf das Herz auswirken können. Dies wird anhand von eindrucksvollen Beispielen untermauert. Insofern ist es daher angemessen, nicht nur das Organ, hier das Herz zu behandeln, sondern sich auch die emotionale Situation des Menschen (oder bei sich selbst) zu betrachten.

Ein weiteres Kapitel führt in den Bereich der Angst, die sich im Gehirn einspuren kann und daher auch losgelöst vom ursprünglichen Ereignis davon galoppieren kann. Insofern kann eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie die Angst mildern.

Der Autor geht im weiteren Kapitel auf Stress und die Resilienz ein. Das heißt: nicht jeder, der traumatisiert wurde, entwickelt eine Störung, es gibt Menschen, die ihre Ängste verarbeiten und damit stressresilenter als andere sind.

Optimismus tut gut: hier wird dargelegt, wie sehr gute Laune bzw. ein positives Grundgefühl die Immunabwehr in Gang bringen kann.

Die jeweiligen Kapitel sind mit ausführlichen Literaturhinweisen unterlegt und eignet sich für wissenschaftlich interessierte Leser, die sich schon immer mal mit den Zusammenhängen zwischen Körper und Geist auseinandersetzen wollen.

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Mihaly Csikszentmihalyi: Lebe gut! Wie Sie das Beste aus Ihrem Leben machen können. Klett Cotta 1999.

Lebensglück erfahren, wer möchte das nicht? Gibt es außerhalb der zahlreichen Ratgeberliteratur Prinzipien, an die wir uns halten müssen, damit unser Leben wirklich gelingt? In seinem ruhig und sehr schön lesbaren Buch hat der Vertreter des bekannten Flow-Effekts eine Fülle an Lebensweisheiten zusammen gestellt, deren Befolgung das Leben erfüllt werden lassen.

Aus welchem Grund empfinden manche ihre Arbeit so wenig erfüllend? Was fehlt an ihren Arbeitsplätzen und weshalb geht es dem Kollegen möglicherweise anders? Bei jeder Tätigkeit ist der Zustand möglich, den Mihaly Csikszentmihalyi Flow-Effekt nennt, also ein Fließen der Zeit, quasi das Erreichen eines zeitlosen Zustands, während dem man in eine Tätigkeit vertieft ist. Je mehr solcher Zustände wir hervorrufen, desto glücklicher sind wir. Der Autor kritisiert die moderne Auffassung von Arbeit als reiner Gelderwerb und seine Gedanken sind durchaus berechtigt. Denn sollten wir einen Großteil unseres Wachzustandes mit Tätigkeiten verbringen, die uns nicht ausfüllen, nur um als Gegenwert Geld und eine (scheinbare) Sicherheit zu erhalten? Er verneint dies und ermutigt seine Leser zum Nachdenken über die eigene Situation. Im Grunde sind seine Thesen Kulturkritik: an sinnleer verbrachter Zeit vor dem Fernseher, die kein Glückgefühl hervorrufen kann, ebenso wie tatenloses Faulenzen, das einen nicht erholen lässt, sondern ermüdet. Beziehungen müssen überdacht werden: wann fühlen wir uns am wohlsten? Zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen maßgeblich Lebensglück, hier erfährt man am häufigsten das Gefühl der Zeitlosigkeit, in dem wir Glück empfinden. Klar wird dem Leser auch, dass er an seinem Lebensglück arbeiten muss und nur aktiv ein erfüllendes Leben möglich ist.

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Sibylle Tobler: Neuanfänge – Veränderung wagen und gewinnen. Klett Cotta Leben 2009.

Neuanfänge überhaupt zu beginnen und sie dann erfolgreich zu gestalten, gehört zu einem der schwierigsten Lebenskapitel überhaupt. Seien es Veränderungen aufgrund von Krankheiten oder berufliche Wechsel, Sibylle Toblers Buch bietet sich als Leitfaden an, aus dem sich zahlreiche Empfehlungen und vor allem Fragen entnehmen lassen, die weiter führen. Besonders zu Beginn des Buches stellt sie viele Fragen, wenn es darum geht, einen Horizont zu entwickeln, nach dem man sich ausrichten kann, denn ohne Horizont lässt sich freilich kein Ziel erreichen. Auch als Coach liest man dieses gut verständliche Buch mit Gewinn, weil es deutlich zeigt, wohin die eigenen Klienten noch gehen können. Einen Weg in den von ihr beschriebenen Vertrauenskreislauf gibt es immer. Der eine wird mehr an seiner Offenheit arbeiten müssen, um seine Veränderung und Entwicklung nicht stocken zu lassen, der nächste an der Umsetzung der mutigen Schritte hin zum Horizont und so manch einer muss erst einmal seinen Horizont, sein Ziel, entwickeln. Im Prinzip umfasst ein Veränderungsprozess den von der Autorin beschriebenen Dreierschritt: Bewusst wahrnehmen, Mut voran zu gehen, Vertrauen anzukommen. Man merkt in der Schlüssigkeit der Darstellung deutlich, dass die Autorin bewandert in Veränderungsprozessen ist. Veränderungen lassen sich ihrer Meinung nur gestalten, wenn man den Mut aufbringt, sie wirklich anzugehen und dabei vertraut, dass jeder Schritt, vielleicht nicht wie man es sich vorstellt, aber doch irgendwie zum Horizont führen wird – sofern man offen bleibt. Sie beschreibt die Entwicklungen so: Man ist selbst verantwortlich für seine Wahrnehmung von den Dingen (und ihre Bewertung), für den Horizont, auf den man sich ausrichtet und für die Schritte, die man unternimmt. Den Rest besorgt das Leben. Und wer hier vertrauen kann und nicht am wachsenden Pflänzchen zieht, hat den Erfolg auf seiner Seite. Ein Buch, das Mut macht, Veränderungen aktiv anzugehen.

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Rainer Sachse: Wie ruiniere ich mein Leben - und zwar systematisch. Klett Cotta 2009.

Sich das Leben möglichst ohne Fremdeinwirkungen ruinieren ist nicht so schwer, wie man denkt. Hierzu genügen nur ein paar psychologische Kniffe und schon ist man nachhaltig unglücklich. Was sich anfangs wie eine leichte Lektüre satirischer Art ausmacht, hat doch so viel Gehalt, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Regel Nummer 1: Pfeifen Sie auf Ihre innere Stimme! Jeder, der dies beherzigt, lebt so zielbewusst an seinen Motiven und Bedürfnissen vorbei, dass er gar nicht mehr seines Lebens froh werden kann. Der Autor vermag es, psychologische und systemische Zusammenhänge so leicht und gleichzeitig anschaulich zu erklären, dass man die Lektüre von Ratgeberliteratur für überflüssig hält. Kurz: wer sich nach seinem Motivsystem ausrichtet, also genau darauf achtet, was ihn antreibt und bewegt und dabei die Realität beachtet, hat im Grunde den Schlüssel für ein glückliches Leben in der Hand. Doch der Autor führt auch sehr deutlich aus, was geschieht, wenn wir eben nicht die Realität beachten: sie schlägt früher oder später zurück! Unzufriedenheit sollte daher beachtet werden und wir sollten uns fragen, welchen Nutzen und welche Aussagen sie besitzt. Denn schleichende Unzufriedenheit vergiftet das Leben. Und dies ist immer dann der Fall, wenn wir an uns vorbei leben. Der Leser ist bei der Lektüre erstaunt, wie viele Mechanismen es gibt, sich das Leben zu ruinieren, also eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen. Dazu gehört auch die Abgabe von Kontrolle und damit auch von Verantwortung für das eigene Leben, gepaart mit einer Opferhaltung, die eine Abwärtsbewegung ebenso in Gang setzt, wie der Glaube, man könne Entscheidungen aus dem Weg gehen. Ein Irrglaube, wie nachvollziehbar ausgeführt wird, denn entscheide ich mich nicht selbst, dann habe ich mich für das „Nicht-Entscheiden“ entschieden. So werden andere oder gar das Schicksal entscheiden, was der Zufriedenheit und dem Glück auf jeden Fall abträglich ist. Zusammengefasst kann man sagen: wer verantwortlich und damit erwachsen handelt, seine Motive und die Realität gut ausbalanciert und sich mutig Veränderungen stellt, hat alle Voraussetzungen, ein gelungenes Leben zu führen. Ein sehr empfehlenswertes und spannend zu lesendes Buch, das schön darstellt, mit welchen Problemen Menschen in ein Coaching oder in eine Beratung kommen.

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Rainer Sachse: Schwarz ärgern – aber richtig. Paradoxe Ratschläge für Psychosomatiker. Klett-Cotta.

Der Titel ist nicht ganz exakt: es geht nicht darum, sich richtig ärgern zu lernen, sondern um einen praktischen Ratgeber für Menschen, deren Ziel es ist, ein guter Psychosomatiker zu werden. Allein der Nutzen für die ansässigen Ärzte sowie die Pharmaindustrie ist ja enorm. Im Grunde geht es ganz einfach: die allseits bekannten Ratschläge werden umgedreht – man soll fett essen, viel Cholesterin zu sich nehmen und viel rauchen, dann geht es mit dem Herzinfarkt schneller als man glaubt. Und wenn einen dieser Infarkt ereilt, sollte man nicht den Arzt rufen, sondern ruhig auf seinem Stuhl sitzen bleiben und hoffen, dass die Schmerzen bald vorübergehen. Das werden sie auch!

Der Gewinn des Buches liegt darin, dass Sachse nicht mit erhobenem Zeigefinger agiert, sondern die humorvoll gewürzten paradoxen Ratschläge eher in ihrem Gegenteil annehmbar sind. Vor allem wird dem Leser bewusst, dass er selbst viel tun kann, um nicht zu erkranken: Ärger, Stress, eine laute Umgebung, Unruhe und Belastungen im Leben, für die man effektiv selbst sorgen kann, Sorgen durch eine chaotische Lebensführung (hier empfiehlt sich dann der Ratgeber: Wie ruiniere ich mein Leben?). Der Leser findet viele Hinweise auf Möglichkeiten zum Psychosomatiker zu werden. Der Umgang mit Problemen, mit der Freizeit (am besten haben Sie keine, sonst werden Sie bei diesem Lebensstil just in dieser Zeit krank), das Ignorieren von Körpersignalen und Gefühlen, die auf einen unpassenden Lebensstil hinweisen, tragen wesentlich zur Entwicklung von psychosomatischen Krankheiten bei. Dazu zählen: Bluthochdruck, Herzinfarkt als Folge, Magenprobleme, Infektanfälligkeit u.v.m.

Im Prinzip führt ein unbewusstes Umgehen mit sich selbst zu diesen Erkrankungen, das Nichtwahrhaben oder Nichtnachdenkenwollen über das eigene Wohlbefinden und seine Bedürfnisse, die Leugnung von bestehenden Symptomen. Also: je bewusster man lebt, desto weniger kann man psychosomatisch erkranken. Und wessen Selbstkonzept wankt, wird immer abhängiger vom Urteil anderer und damit labilisiert sich seine Lage weiter.

Sehr lesenswert und für alle, deren Krankheiten Schicksal sind, sehr zu empfehlen.

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Rainer Sachse: Selbstverliebt – aber richtig. Paradoxe Ratschläge für das Leben mit Narzissten. Klett-Cotta 2010.

Narzissten sind immer die anderen! Daher spricht das Buch scheinbar Leser an, die nur unter ihrem narzisstischen Umfeld leiden und für den Umgang bessere Handlungsstrategien benötigen. Auf humorvolle Weise wird eine Einführung in die narzisstische Persönlichkeit gegeben – und was an dem Buch bemerkenswert ist: der Narzisst wird so dargestellt, dass der Leser Verständnis für seine Art entwickelt. Dies vermisst man in manchen Büchern über die Thematik durchaus. Die „Macken“ des Narzissten werden in komprimierten Ratschlägen auf das Korn genommen und sogleich entdeckt auch der Laie Menschen in seinem Umfeld, die auch diese Eigenschaften zeigen. Je mehr vorliegen, umso eingeschränkter ist freilich der Mensch in seinem Handeln. Sachse erläutert, wie in der Kindheit der Grundstein für die übersteigerte Selbstliebe, die niemand anderen gelten lässt, gelegt wird und wie sie sich äußert. An den paradoxen Ratschlägen für Narzissten, die so bleiben wollen wie sie sind, erkennt man unschwer, dass alles, was das Selbstbild des Betroffenen ins Wanken bringen würde, wie Kritik und andere Meinungen, zu vermeiden ist. Die Ratschläge scheinen in der Tat recht skurril zu sein: Erwarten Sie von anderen Bestätigung und Anerkennung, zeigen Sie, dass Sie ein toller Hecht sind, andere runtermachen, aber richtig, lauten einige davon. Aber schnell kommt man eben auf seine eigenen narzisstischen Anteile oder eben darauf, was mit den Mitmenschen los ist, die einen selbst mit diesen Verhaltensweisen nerven. Sachse geht nicht nur auf die Grundeigenschaften ein, sondern er beschreibt auch, welche Auswirkungen dieses Verhalten auf die Familienangehörigen und Freunde haben kann. Er vergisst nicht zu erwähnen, welchen Preis die Pflege einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur hat: die Gesundheit leidet ebenso darunter wie die Beziehungen, aber den höchsten Preis zahlt man, indem man sich von sich selbst entfremdet. Nun ist die Frage, ob Menschen mit einer ausgeprägten narzisstischen Struktur dieses Büchlein überhaupt lesen werden, aber zumindest schafft es durch die paradoxen Ratschläge die Möglichkeit, sich seinen problematischen Anteilen zu nähern, ohne die gefürchtete Kritik ertragen zu müssen. Auf jeden Fall ist es ein leicht lesbares Buch für diejenigen, die dem heute so verbreiteten Phänomen auf die Spur kommen wollen.

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Rainer und Claudia Sachse: Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig. Klett-Cotta 2009.

Wer seine Beziehung, sei es eine Freundschafts- oder Partnerbeziehung möglichst rasch und nachhaltig ruinieren möchte, ist mit dem weiteren paradoxen Ratschlagsbuch von Rainer Sachse gut bedient. Mit der Co- Autorin Claudia Sachse beschreibt er die wesentlichen Mechanismen, mit denen man ohne große Übung Beziehungen zerstört. Die Grundschritte sind die Negierung der grundlegenden Bedürfnisse der Partner nach Anerkennung, Verlässlichkeit, Wichtigkeit für den anderen, Solidarität, Autonomie sowie das eigene Territorium. Im Irrglauben der nie endenden Liebe kommt es hier besonders häufig zu Grenzüberschreitungen. Übermäßiges Kontrollverhalten führt schnell zu Konflikten, da es Misstrauen signalisiert, die den anderen kränken und seinen Bereich massiv verletzen. Ebenso häufig ist das Denken, der andere sei ein Telepath, der einem nur die Wünsche von den Augen abliest, sofern er einen denn liebt. Kann er das nicht, liebt er auch nicht, so einfach die (unglückliche) Schlussfolgerung.

Das Büchlein führt auch in die verschiedenen Spielarten ein. Spiele wie das beliebte „arme Schwein-Spiel“, das mittels Manipulation mehr Aufmerksamkeit verschaffen soll, führt neben der Belastung des Partners zu dessen Unwillen, das noch länger zu ertragen.

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